IBD beim Hund – Alles, was du über die chronische Darmentzündung wissen solltest

Wenn der eigene Hund immer wieder unter Durchfall, Erbrechen oder Gewichtsverlust leidet, beginnt oft eine lange Suche nach der Ursache. Auch wir sind diesen Weg gegangen. Bei Maya wurde bereits im Alter von nur neun Monaten nach einer Darmspiegelung eine mittel- bis schwergradige IBD diagnostiziert. Es folgten viele Höhen und Tiefen, verschiedene Medikamente und schließlich – zwei Jahre später – zusätzlich die Diagnose EPI.

Mit diesem Beitrag möchte ich dir verständlich erklären, was IBD eigentlich ist, wie sie diagnostiziert wird und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.


Was bedeutet IBD?

IBD steht für Inflammatory Bowel Disease und bedeutet übersetzt chronisch entzündliche Darmerkrankung.

In der Tiermedizin wird heute häufig auch der Begriff Chronische Entzündliche Enteropathie (CIE) verwendet. Beide Begriffe werden im Alltag oft synonym benutzt.

Bei einer IBD handelt es sich nicht um eine ansteckende Krankheit, sondern um eine chronische Fehlreaktion des Immunsystems.

Das Immunsystem greift dauerhaft die Darmschleimhaut an und löst dort Entzündungen aus. Dadurch kann der Darm seine eigentliche Aufgabe – die Verdauung und Aufnahme von Nährstoffen – nicht mehr richtig erfüllen.


Welche Aufgaben hat der Darm eigentlich?

Der Darm ist weit mehr als nur ein Verdauungsorgan.

Er übernimmt unter anderem folgende Aufgaben:

  • Aufnahme von Nährstoffen
  • Aufnahme von Vitaminen und Mineralstoffen
  • Regulation des Wasserhaushalts
  • Bildung eines großen Teils des Immunsystems
  • Schutz vor Krankheitserregern

Ist der Darm dauerhaft entzündet, können all diese Funktionen beeinträchtigt werden.


Warum entsteht IBD?

Bis heute ist die genaue Ursache nicht vollständig geklärt.

Die Forschung geht davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenkommen.

Genetische Veranlagung

Einige Hunde scheinen erblich anfälliger für chronische Darmentzündungen zu sein.

Fehlgeleitetes Immunsystem

Normalerweise schützt das Immunsystem den Körper vor Krankheitserregern.

Bei IBD reagiert es jedoch übermäßig auf Bestandteile des Darminhalts oder auf Darmbakterien und greift die Darmschleimhaut an.

Veränderungen der Darmflora

Der Darm beherbergt Milliarden nützlicher Bakterien.

Gerät dieses empfindliche Gleichgewicht aus dem Lot, kann dies Entzündungen fördern oder verstärken.

Ernährung

Das Futter verursacht IBD nicht automatisch.

Allerdings können bestimmte Inhaltsstoffe Beschwerden verschlimmern oder zusätzliche Futtermittelunverträglichkeiten eine Rolle spielen.


Welche Symptome können auftreten?

IBD verläuft bei jedem Hund unterschiedlich.

Typische Anzeichen sind:

  • wiederkehrender Durchfall
  • Schleim oder Blut im Kot
  • Erbrechen
  • Übelkeit
  • häufiges Grasfressen
  • Blähungen
  • Bauchschmerzen
  • Gewichtsverlust
  • schlechter Appetit oder wechselnder Appetit
  • Mattigkeit
  • stumpfes Fell

Die Beschwerden treten häufig schubweise auf.

Viele Hunde haben gute Phasen, gefolgt von Zeiten mit deutlichen Verschlechterungen.


Wie wird IBD diagnostiziert?

Eine einzelne Blutuntersuchung reicht für die Diagnose nicht aus.

Der Weg bis zur Diagnose besteht meist aus mehreren Untersuchungen.

1. Kotuntersuchung

Zunächst werden Parasiten, Giardien oder bakterielle Infektionen ausgeschlossen.

2. Blutuntersuchung

Dabei werden unter anderem überprüft:

  • Organwerte
  • Entzündungsparameter
  • Eiweißwerte
  • Vitamin B12
  • Folsäure

Diese Werte können wichtige Hinweise liefern, beweisen eine IBD jedoch nicht.

3. Ultraschall

Mit einer Ultraschalluntersuchung beurteilt der Tierarzt unter anderem:

  • Darmwand
  • Lymphknoten
  • Bauchspeicheldrüse
  • andere Bauchorgane

4. Darmspiegelung (Endoskopie)

Die Darmspiegelung gilt als einer der wichtigsten Schritte bei der Diagnostik.

Dabei wird unter Narkose eine kleine Kamera in den Darm eingeführt.

Der Tierarzt entnimmt mehrere kleine Gewebeproben (Biopsien).

Erst diese Proben ermöglichen es dem Pathologen festzustellen,

  • ob eine chronische Entzündung vorliegt,
  • wie stark sie ausgeprägt ist,
  • welche Entzündungszellen beteiligt sind.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Behandlung richtet sich immer nach dem einzelnen Hund.

Oft werden mehrere Bausteine miteinander kombiniert.

Angepasste Ernährung

Die Ernährung spielt bei vielen Hunden eine zentrale Rolle.

Je nach Hund kommen beispielsweise infrage:

  • hydrolysiertes Diätfutter
  • Futter mit einer neuen Proteinquelle
  • individuell angepasste Fütterung

Welche Ernährung am besten geeignet ist, sollte gemeinsam mit der behandelnden Tierärztin oder dem Tierarzt entschieden werden.


Kortison

Kortisonpräparate gehören häufig zur Standardtherapie.

Sie unterdrücken die überschießende Immunreaktion und reduzieren die Entzündung.

Prednisolon

Prednisolon wirkt oft sehr zuverlässig.

Mögliche Nebenwirkungen können sein:

  • starker Durst
  • häufiger Urinabsatz
  • gesteigerter Appetit
  • Gewichtszunahme
  • Muskelabbau
  • Hecheln
  • erhöhte Infektanfälligkeit

Nicht jeder Hund entwickelt diese Nebenwirkungen gleich stark.

Budesonid (z. B. Budenofalk)

Budesonid wirkt überwiegend im Darm und verursacht bei vielen Hunden weniger allgemeine Nebenwirkungen als Prednisolon.

Aus diesem Grund wird es bei manchen Hunden als Alternative oder im weiteren Verlauf der Behandlung eingesetzt.

Mesalazin (z. B. Salofalk)

Mesalazin kann in ausgewählten Fällen ergänzend eingesetzt werden.

Ob es sinnvoll ist, entscheidet die Tierärztin oder der Tierarzt anhand der individuellen Erkrankung.


Nahrungsergänzung

Je nach Blutwerten und Krankheitsverlauf können zusätzliche Nährstoffe sinnvoll sein.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Vitamin B12
  • Omega-3-Fettsäuren
  • Probiotika
  • Präbiotika

Ob und welche Ergänzungen notwendig sind, sollte immer individuell entschieden werden.


Kann IBD geheilt werden?

Leider nein.

IBD zählt zu den chronischen Erkrankungen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass ein Hund dauerhaft leiden muss.

Mit einer passenden Behandlung erreichen viele Hunde eine sogenannte Remission.

Das bedeutet:

Die Entzündung wird so weit kontrolliert, dass der Hund möglichst beschwerdefrei leben kann.


Unsere Erfahrung

Bei Maya wurde bereits mit neun Monaten nach einer Darmspiegelung eine mittel- bis schwergradige IBD festgestellt.

Es folgten verschiedene Behandlungen. Unter anderem erhielt sie Prednisolon, dessen Nebenwirkungen sie deutlich belasteten. Später wurde die Therapie angepasst und unter Budesonid (Budenofalk) sowie Salofalk stabilisierte sich ihr Zustand deutlich.

Trotzdem blieb bei uns immer das Gefühl, dass noch etwas nicht stimmte.

Erst rund zwei Jahre später – nachdem Maya trotz Futter immer weiter an Gewicht verloren hatte – brachte ein spezieller Bluttest schließlich eine weitere Diagnose ans Licht: Exokrine Pankreasinsuffizienz (EPI).

Rückblickend ergaben viele Symptome plötzlich Sinn.

Unsere Geschichte zeigt, wie wichtig Geduld, eine enge Zusammenarbeit mit der Tierärztin oder dem Tierarzt und ein offener Blick für Veränderungen sind.


Unser Fazit

Eine IBD-Diagnose verändert den Alltag – aber sie bedeutet nicht das Ende eines glücklichen Hundelebens.

Mit der richtigen Behandlung, einer individuell angepassten Ernährung und regelmäßigen Kontrollen können viele Hunde trotz ihrer Erkrankung viele schöne Jahre genießen.

Wenn dein Hund ähnliche Beschwerden zeigt, suche bitte frühzeitig tierärztlichen Rat. Je früher die Ursache gefunden wird, desto eher kann eine passende Behandlung beginnen.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine tierärztliche Beratung. Jede Behandlung sollte individuell mit einer Tierärztin oder einem Tierarzt abgestimmt werden.

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